Sedaner Architektur

Im 17. und 18. Jahrhundert, vom Klassizismus zu Rokoko-Einflüssen

Zu Beginn der modernen Zeit besteht Sedan aus Straßendörfern: Moulin, Villers und Mesnil. Die Stadt ist damals ein unabhängiges und protestantisches Fürstentum.

Henri de la Tour d'Auvergne (1555-1623), der "Baufürst", verleiht ihr dann ein neues Gesicht, indem er die Stadt in einer einheitlichen Form umgestaltet. Die bürgerlichen, öffentlichen, religiösen und militärischen Monumente folgen den Prinzipien der klassischen Architektur. Der Fürst führt die Modernisierungs- und Verstärkungsarbeiten an den Befestigungen weiter. Diese kolossale Arbeit dauert zwanzig Jahre und verleiht der Stadt eine Silhouette in Sternform, die sie bis zum 19. Jahrhundert beibehält, dem Niedergang der Stadt.

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert beeinflusst der Protestantismus eine kühle Architektur, und dies trotz des Reichtums. Die Metallurgie und die Waffenindustrie entwickeln sich und dank des Textils blüht die lokale Industrie auf. Die Sedaner Manufakturen verfügen dann über schöne Herrenhäuser, in denen Produktions-, Lagerstätten und Wohnräume untergebracht sind. Die Befestigungsmauer engt die Stadt ein, weshalb man zum Errichten von "Stockwerksfabriken" übergeht.

Die Architektur im 18. Jahrhundert wird vom Rokoko beeinflusst mit Linien in der Form von Kurven und Gegenkurven. Die architektonische Ausdrucksform bei der diskreten Ornamentik wird fantasievoller: lachende Maskarone, gerippte Pilaster und Rocaille-Agraffen.

Die Zeugen dieser Epoche:

  • Der Fürstenpalast: Der Palais des Princes (Fürstenpalast), bei dem sich italienische Renaissance und französischer Klassizismus abwechseln, wird 1613 nach den Plänen von Samuel de Brosse erbaut, dem Architekten des Palais de France.
  •  Die Kirche Sankt Charles: 1685, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, verfügt ein Beschluss des Staatsrats die Übergabe des protestantischen Gotteshauses an die Katholiken, die es unter der Leitung des Architekten Robert de Cotte zu ihrer Kirche umbauen. Ihre strenge Architektur ist eine Mischung aus protestantischem Charakter und dem monumentalen Ausdruck von klassischen Kirchen.
  •  Die Manufaktur des Gros Chien: Dieses schöne Ensemble besteht aus mehreren Gebäuden, die um Innenhöfe angeordnet sind. Die Maskaronen des "Hofs der Köpfe" verleihen diesem Ort seine architektonische Besonderheit.

Im 19. und 20. Jahrhundert, aufblühende Stadt, zerstörte Stadt, wieder aufgebaute Stadt

Im 19. Jahrhundert blüht die Stadt dank ihren Garnisonen und Manufakturen auf. 1822 wird der Platz Turenne mit dem neuen Rathaus, dem Justizpalast und der Statue Turenne des Bildhauers Edmé Gois angelegt.

Die Befestigungen, die Sedan seit fünf Jahrhunderten schützen, werden abgerissen, und der alte Militärplatz wird zu einer modernen Stadt. 1884 wird der Bahnhof eingeweiht, er wird über die Avenue Philippoteaux mit dem Stadtzentrum verbunden, die aus Fabriken und Herrenhäusern besteht.

Während des Zweiten Weltkriegs wird Sedan zum Teil zerstört und vom Architekten de Mailly wieder aufgebaut, der sich vom Baustil des alten Zentrums loslöst. Seine Gebäude mit Ährengiebeln und Kolonnaden sind für diesen Neuaufbau charakteristisch.

Die Zeugen dieser Epoche:

  • Das Gymnasium Turenne: Das Gebäude wurde 1883 vom Architekten Depaquit anschließend an das Jesuitenkolleg gebaut und bildet ein harmonisches Ensemble, bei dem der Architekturstil des 17. Jahrhunderts des Fürstenpalasts übernommen wurde (Quadersteine aus vermikuliertem Bossenwerk). 1884 schmückt der Sedaner Bildhauer Gustave Deloye die Fassade mit einem Flachrelief, das den Marschall Turenne als Kind darstellt, das auf einem Kanonenrohr schläft.
  •  Die protestantische Kirche, 1893 vom Architekten Couty im romanisch-byzantinischen Stil erbaut, der am Ende des 19. Jahrhunderts sehr verbreitet war.
  • Gebäudekomplex "Les Peignes": Dieses 1940 bombardierten Stadtteils von Sedan wird in den 1950er-Jahren unter der Leitung von Jean de Mailly neu aufgebaut, Großem Preis von Rom 1945, einem der drei Architekten des Gewölbes des "Zentrums der neuen Industrien und Technologien" im Stadtteil La Défense in Paris. Dieser Neuaufbau, verewigt in der Skulptur "Sedan ersteht wieder aus der Asche auf", Platz d'Alsace-Lorraine, berücksichtigt die wichtigsten traditionellen Wohncharakteristiken.
    Dagegen räumt sich Jean de Mailly mit den 3 in Ährenform zwischen der Straße und dem Kanal angeordneten Gebäuden mehr Freiheiten ein, die "Les Peignes" genannt werden. Das Erdgeschoss auf Pfählen, die Dächer mit einer Neigung, die vermehrte Verwendung von Beton, die verspielt ausgerichteten Balkone und ein innovatives inneres Beleuchtungssystem zeugen von stilistischen und förmlichen Reflexionen, die diese Gebäude zu bemerkenswerten Beispielen der Architektur des XX. Jahrhunderts machen.

Von 1950 bis heute, schützen, renovieren, die Zukunft bauen

In den 70er-Jahren werden neue Viertel am Stadtrand errichtet. Das Kapuzinerkloster wird komplett abgerissen, um 1965 einem Hochhauskomplex zu weichen, das den Namen "Résidences Ardennes" trägt. Um 1980 werden das Amphitheater und die Mediathek fertiggestellt. 2000 wird ein neues Fußballstadion mit 23183 Plätzen eingeweiht.

Im Rahmen der Stadtsanierung errichtet Sedan derzeit die neuen Stadtteile Torcy-Cités und Le Lac mit Unterstützung der Agence Nationale pour la Rénovation Urbaine.